WM Paris, World Champion 2015

Foto Michaela K.
Foto Michaela K.

Hallo meine Lieben,


ich komme zu spät- ich weiß. 

Ihr seid aber natürlich schon längst up to date:

Ich bin SPRINT WELTMEISTERIN 2015.


Es war ein sehr, sehr krasses Turnier und man merkt, dass es bis zu den Olympischen Spielen nicht mehr lang hin ist. Die Weltspitze ist so eng zusammen gerutscht, dass 0,2sek in der 200m Qualifikation langsamer dein Aus bedeuten kann. 

Dieser Titel ist wohlmöglich die wichtigste Medaille in meiner Karriere.

Wir deutschen Sprinter sind etwas hinter den Erwartungen geblieben. 

Natürlich gewannen wir in Cali 2014 ein krasses Medaillenpaket und Titel gewinnen ist oftmals leichter als verteidigen. Dennoch wollten wir als Nation mehr!

Die Teamsprint Männer holen Bronze, Miri und ich nur 4. 

Im Keirin von Max Levy starker Platz 4, Favoriten Stefan Bötticher und Joachim Eilers sehr weit hinterher. Im Sprint der Männer nicht über 1/8 Finale hinaus.

Trotzpflaster waren die Medaillen von Miri ( Bronze 500m) und Jo (Silber 1000m).

Der Ausdauerbereich feiert einen Erfolg nach dem anderen.

Der Druck auf mir war enorm hoch! So hoch, wie ich ihn in meinem sportlichen Leben noch nie so gespürt habe. 

Natürlich habe ich versucht, es nicht an mich ran zu lassen, doch das ging nicht.

Man kann so etwas nicht verneinen: Die Fragen der Presse, das Teamgefühl und allein schon die Begrüßung des Bundestrainers "Kristina, heut hängt wie immer alles an dir!"

Trotzdem war ich am Freitag und Samstag mental unheimlich stark. Daher habe ich die Medaille im Kopf und nicht mit meinen Beinen gewonnen!

Ich freue mich wirklich wahnsinnig und bin total stolz, dass ich das Regenbogentrikot ein Jahr länger tragen darf. 


Gerne hätte ich am Sonntag noch eine Medaille im Keirin eingefahren. 

Ich muss aber gestehen, dass die Sprinttage so viel Kraft gekostet haben, dass ich einfach nicht mehr konnte!

Am Samstag habe ich die Bahn 23:15 verlassen und um 9:50 habe ich das Warmfahren wieder aufgenommen. 

Knapp 10Stunden klingt viel- war es aber nicht. Bis ich im Hotel, geduscht war und gegessen habe, im Kopf hier und da etwas verarbeitet habe... so etwas dauert. 

Ich hatte das letzte Mal 3:30 auf die Uhr geschaut. 

Ich denke, Ihr verzeiht mir etwas. Denn ich freue mich, dass ich auf einem super Weg nach Rio bin und mich wieder Weltmeisterin nennen kann. 

Ehrlich gesagt, hätte ich das gar nicht abgeben können- Ich habe gar keine Radsachen mehr ohne Regenbogentrikot :-)


Jetzt habe ich mir ein paar Tage Ruhe und Trainingsfrei gegönnt. 

Am Montag werde ich eine 14-tägige Hospitation bei der Bundespolizei in Erfurt antreten. Ich freue mich da ganz doll drauf, dass ich wieder in "meine" Dienstgruppe des letzten Jahres kann. Ich gehe also am Erfurter Hauptbahnhof auf Verbrecherjagd.



Ich wünsche Euch was,

                                         eure Kristina