OLYMPIASIEGERIN UND BRONZE MEDAILLEN GEWINNERIN

Foto: Ronny Hartnick
Foto: Ronny Hartnick

Hallo meine Olympischen Freunde,

 

ich schreibe Euch nun ein paar Zeilen und berichte von der Erfüllung eines Traums:

Ich bin Olympiasiegerin im Sprint!!!

 

Viele von Euch haben vor dem Tv gesessen und mit mir gefiebert und mir die Daumen gedrückt.

Die letzten Wochen waren sehr verrückt für mich.

Ich habe gekämpft, gelacht, geweint,  war niedergeschlagen, musste mich aufrappeln, habe all mein Herzblut gegeben, war stolz, habe verloren und habe gewonnen.

So viele Emotionen innerhalb so kurzer Zeit., die sich mit zwei Worten zusammenfassen können:

Olympische Spiele.

 

Ich wurde oft gefragt, welche Olympische Spiele  mir besser gefallen haben: 2012 oder 2016?

Ich kann das wirklich nicht klar beantworten, weil 2012 und 2016 jeweils einen ganz besonderen Flair in meinen Erinnerungen tragen und tragen werden.

 

Für mich sind die Tage in Rio schon mit einer Sensation gestartet, als ich erfuhr, dass ich zur Fahnenträgerin für die Eröffnungsfeiern nominiert wurden bin.

Ich war baff. So eine Ehre und das, obwohl die Olympischen Spiele in Rio erst meine zweiten Spiele werden sollten.

Ich danke Euch allen noch einmal ganz sehr herzlich dafür, dass Ihr alles an Familie, Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen mobilisiert habt, damit für mich gestimmt wurde.

Die Wahl des Fahnenträgers fiel knapp an Timo Boll.

Natürlich war ich etwas traurig. Wenn ich an dieser Stelle nein sagen würde, dann wäre ich nicht 100% ehrlich.

Dennoch war ich sehr froh für Timo, der unser Sportdeutschland toll vertreten hat.

Ich konnte die Feier in seinem Schatten und in Gesellschaft der anderen Nominierten genießen.

 

Eröffnungsfeier beendet und den Glanz von Maracana in meinem Herzen gespeichert, musste ich natürlich die letzte Woche noch an meinen schnellen Beinen feilen.

 

Ich will nicht viel herum erzählen.

Ich bin einfach so stolz, dass ich in Rio zwei Medaillen erkämpfen konnte:

Gold im Sprint und Bronze zusammen mit Miriam Welte im Teamsprint.

 

Die Bronze wird aktuell ganz gerne „vergessen“. Dies wird Ihr aber gar nicht gerecht.

Für Miriam und mich glänzt diese Medaille etwas Golden!

Die Russinnen und Chinesinnen waren in den letzten 3 Jahren so stark. Uns war klar, dass hier der Sieg ausgemacht wird.

Um Platz 3 wurde unter den anderen Nationen sehr hart gekämpft.  Was beweist, dass wir den Sprung aufs Podest mit nur einem Vorsprung von 0,022 Sek vor Australien geschafft haben. 0,022 Sek.... Nur Zentimeter!

 

Die atemberaubende und tragische Geschichte rund um meine Goldmedaille und dem Sieg im Sprint hat ja jeder mitbekommen, der Nachrichten geguckt hat.

Die Olympiasiegerin ohne Sattel. So stehe ich ab jetzt in den Geschichtsbüchern.

Auf den letzten Metern den Sattel verloren und dann dennoch nur mit Zentimeter Vorsprung den Sieg ins Ziel gerettet.

Ich glaube, dass kein Drehbuchautor hätte eine bessere Geschichte schreiben können.

Jetzt fragen sich alle: Wie kann man einen Fahrradsattel verlieren?

Normalerweise geht das auch gar nicht.

Jedoch kamen am 16. August 2016 so viele Kleinigkeiten aufeinander, die das berühmte Fass zum überlaufen gebracht haben.

An der Stelle möchte ich meinen Mechaniker und jahrelangen Freund Udo Knepper in Schutz nehmen. Er konnte wirklich nichts dafür. Es war einfach ein Material- und Entwicklungsfehler!

 

Einfach verrückt, wenn man dass so resümiert.

Ich bin so glücklich, dass ich meinen Patzer im Keirin mit Platz 6 schnell verdaut habe.

Auch wenn es sehr, sehr weh tat und mich wirklich Kraft gekostet hat, dies zu verkraften und wieder aufstehen zu können.

Ich bin als Weltmeister im Keirin an den Start gegangen. Da erhofft und rechnet sich ehrlicherweise eine Medaille aus.

Das Podest habe ich im Prinzip nur verpasst, weil ich nur eine Sekunde überlegt und nicht an mich geglaubt habe. Hätte, Hätte, Fahrradkette...

Ich habe Gold im Sprint.. Wen interessiert da schon der Patzer im Keirin?

Gold in der Königsdisziplin auf der Bahn!

 

 

Wer hätte es gedacht- die letzten Wochen bin ich einmal quer durch die Republik gereist.

Zu den Aufgaben eines Olympiasieger, gehört eben auch die Bewältigung des Pressetrubels.

Schaltet ein- zum Beispiel bin ich am 16.9. zu Gast bei Riverboat im MDR.

 

Ansonsten quäle ich mich durch die normalen Probleme eines Häuslebauers.

Umzug organisieren, obwohl der Hausbau sehr im Verzug ist,

nebenbei den Trip nach Japan..

Es ist viel zu Tun.

 

Euch wünsche ich Zeit, um die letzten warmen Sonnenstrahlen zu genießen.

 

 

Liebe Grüße von Eurer Doppel- Olympiasiegerin.